Odins Runenlied
Do, 09/11/2008 - 19:59 – wegtam
Bei Odins Runenlied handelt es sich um eine Dichtung aus der Edda, die die Erringung des Runenweistums durch den Göttervater beschreibt.
Ich weiß, daß ich hing
am windigen Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
mir selbst ich selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.
Zu wachsen begann ich
und wohl zu gedeihn,
weise ward ich da;
Wort mich von Wort
zu Wort führte,
Werk mich von Werk
zu Werk führte.
Neun Hauptlieder
lernt ich vom hehren Bruder
der Bestla, dem Bölthornssohn;
von Odrörir,
dem edelsten Met,
tat ich einen Trunk.
Sie spendeten mir
nicht Speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm auf die Runen,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.
Nun sind Hars Reden
in seiner Halle gesagt,
gar rätlich Reckensöhnen,
nicht rätlich Riesensöhnen.
Heil, der sie wies!
Heil, der sie weiß!
Er ware sie wohl!
Heil, die sie hörten!
(Übersetzung nach Felix Gentzmer)
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