Die Römische Germanienpolitik um die Zeitenwende

Mit diesem Artikel soll eine Annäherung versucht werden, die römische Germanienpolitik um die Zeitenwende einmal genauer zu betrachten. Unweigerlich ist die Epoche des Römischen Reiches und Germaniens natürlich verbunden mit der “Hermannsschlacht” (“Varusschlacht”) im Jahre 9. n. Christus. Doch es sind noch viele andere Dinge zu berücksichtigen. Wie so oft in der Geschichte sind entscheidende Entwicklungen bereits im Vorfeld zu suchen und zu entdecken.

Beantwortet werden soll aber, ob die römischen Ambitionen wirklich von Erfolg gekrönt waren, in Anbetracht einer nahezu 200-jährigen Entwicklung. Gab es am Ende wirklich ein “Germania Capta” zu konstatieren oder konnte sogar Germanien sich behaupten.

Doch zuvor. Wie sah es vor der christlichen Zeitrechnung im mächtigsten europäischen Reich aus, dem Römischen Reich. Die langen Machtkämpfe und Bürgerkriege hatte das Römische Reich hinter sich. Im Jahre 30 v. Christus wurde der römische Staat, welcher bis dahin eine Republik war, ein Kaiserreich. Der erste Kaiser war der Stiefsohn Julius Cäsars, Augustus (was soviel bedeutet wie “der Erhabene”).

Das römische Reich umfasste damals alle Länder um das Mittelmeer herum und vereinigte in sich etwa 120 Millionen Menschen. Die Person Augustus erlangte auch noch nach seinem Tod, sogar bis in die heutige Zeit, eine große Bedeutung, da er eine überdurchschnittlich lange Regentschaft absolvieren konnte. Er blieb Kaiser bis in das Jahr 14. n. Christus. Außerdem führte er erfolgreich zahlreiche Kriege.

Die Kriege des Augustus bezweckten namentlich die vollständige Unterwerfung bereits eroberter Provinzen oder die Sicherung der Völker gegen feindliche Nachbarvölker. Zu seinen Zielen gehörte auch die Unterwerfung der germanischen Stämme. Der Gedanke an den großen Julius Cäsar, auch jenseits des Rheins eine Provinz zu erkämpfen, war für ihn von großer Bedeutung. Darf doch an dieser Stelle angemerkt werden, dass bis dato alle “schwierigen” Gegner bereits unterworfen waren. Ein bis dato relativ unbekannter Gegner war zu gefährlich. Besonders aufgrund der geographischen Nähe zur Zentrale des Römischen Reiches, Rom. Mit dieser Aufgabe betraute er nacheinander seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius und später den Quintilius Varus.

Über die Züge des Drusus unterrichtet Cassius Dio (163 n.Chr.- 235 n. Chr.) und mehrere andere Autoren, wie zum Beispiel Florus und Vellejus.

Cassius Dio lässt sich sogar viele Jahre nach Augustus zu folgenden Worten hinreißen: “Hätte Augustus auf die Besiegung Germaniens doch nicht so hohen Wert gelegt! Die Schmach, mit der wir es verloren, war größer als den Ruhm, mit dem es erworben war. Doch weil er wusste, dass sein Vater, Cäsar, zweimal eine Brücke über den Rhein geschlagen hatte, um jenseits Krieg zu suchen, begehrte er es zur Provinz zu machen”.

Man kann also konstatieren, dass die “Germanienpolitik”, d.h. Germanien zu einer römischen Provinz zu erobern, verschiedene Gründe hatte. Nicht nur geo-politische Gründe, sondern auch persönliche Beweggründe spielte eine entscheidende Rolle. Das Ansehen der Ahnen (mors et ars maiorum), ihre Leistung als Vorbild zu nehmen, spielte eine entscheidende Rolle.

Germanen nach einer Darstellung auf der Markussäule in Rom

Im Jahre 16 v. Chr. war es dann soweit. Augustus, welcher seit der für ihn siegreichen Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) unangefochtener Herrscher im damaligen politischen Europa war, wollte nun sein Bild eines Gesamtstaates umsetzen. Dies beinhaltete auch eine Verlegung der bisherigen Grenzen. Besonders in Mitteleuropa, mussten noch umfangreiche Unterwerfungen durchgeführt werden, um die anvisierte “pax Augusta” umzusetzen. Das rätisch- vindelikische und das norisch- pannonische Donauland waren noch nicht als römische Provinz eingerichtet. Der so entstandene “Alpenborgen” lud nun zum taktischen Zugreifen ein, die Unterwerfung der “Germania libera”.

Obwohl man in der damaligen Zeit nicht unbedingt eine Provokation eines anderen “Reiches” benötigte, um Krieg zu führen, kam doch Augustus im Jahre 16 v. Chr. ein kombiniertes sugambrisch- tenkterisches Militärunternehmen ihm sehr gelegen. Germanische Stämme hatte zwischen der Lippe- Mündung und dem Main, auf heute niederländischen Boden, nördlich von Aachen eine römische Legion überfallen und sie nahezu vernichtet.

Römische Kriegszüge in keltische und germanische Stammesgebiete 15 v.u.Z. - 5 u.Z.

Die weiteren Aktionen gegen die Germanen wurden nun intensiviert. Augustus verlegte sogar seinen Residenz für einige Zeit nach Aquileia (heutiges Venitien). Die große “Drusus- Offensive” (12- 9 v. Chr.) begann nun. Dieser Feldzug war sehr erfolgreich. Die Römer drangen in das Cheruskerland (Wesergebiet) und sogar bis zur Elbe vor. Doch der römische Erfolg wurde gebremst. Drusus erlitt einen schweren Reitunfall (7 v. Chr.) und wurde tödlich verletzt. Der jüngere Stiefsohn des Kaisers, Tiberius, übernahm nun das Oberkommando, ohne dass der Germanenkrieg zu einem Ende gekommen war. Zwar kommt es noch zu einer Errichtung eines römisches Altars zu Ehren des Augustus in der Nähe der Elbe, doch von einer erfolgreichen Unterwerfung ist Rom noch weit entfernt. Zwischen 4-5 n. Chr. griff Tiberius erneut den Plan auf, die römischen Provinzen bis zur Lebe zu errichten. Dabei kam es zur freiwilligen Unterwerfung der Cherusker, welche noch einige Jahre zuvor erbittert gegen Drusus gekämpft haben. Diese Situation ist auf die zahlreichen Streitigkeiten in der germanischen Führungsschicht zurückzuführen. Zwar gab es auch schon zu Zeiten des Feldzuges des Drusus zu einigen “Überläufer”, wurde jene aber von der römischen Führung nicht politisch genutzt. Ein bekanntes Beispiel aus jener Zeit, davon geht man heute in der modernen Geschichtsschreibung aus, seien auch die Sigimer- Söhne Arminius und Falvus gewesen. Die beiden germanischen Fürstensöhne wurden als “Pfand” den Römern übergeben. Sie wurden später Befehlshaber von cheruskischen Stammeseinheiten in römischen Diensten und wurden sogar römische Bürger. Arminius später sogar in den römischen Ritterstand erhoben.

Nun aber unter Tiberius hatte sich wohl dieser Streit verschärft und es kam zum Überlaufen aller Cherusker. Kann den alten Schriften geglaubt werden, so wurden nahezu 40.000 Cherusker im Rheinland und in Gallien angesiedelt. Das Ergebnis war die “Eroberung” des nordwestdeutschen Raumes.

Die militärische Konsequenz war nun im Jahre 6 nach Christus, die pannonische Ebene zu erobern, das böhmische Markomannenreich mit seinem König Marbod. Jener König war eher von der Abstammung her ein “Barbar”, denn er wurde ebenfalls wie viele andere Germanen von den Römern militärisch ausgebildet. Militärisch wich er mit seinen Markomannen und den dazugehörigen Langobarden und Gutonen aus. Er verdrängte die Boier und errichtete in deren Heimat Boihaemum (Böhmen). Sein realativ modernes Königreich war natürlich für die Römer ein großes Ärgernis. Angeblich soll Marbod über 70.000 Fußkrieger und 4000 Reiter verfügt haben ( Velleius Taterculus II 109, 2-4).

6 n. Chr. erhielt Tiberius den Auftrag von Augustus das markomannische Machtpotential zu zerstören. Um dies in die Tat umzusetzen, wandte man 12 Legionen auf, darunter auch germanische Hilfstruppen (eines davon unter Arminius Führung). Solch eine Truppenkonzentration wurde noch nie gegen germanische Truppen eingesetzt. Nach langen Tagesmärschen und dem geglückten Zangenangriff der beiden Riesenheere der Römer brach ein enormer “Pannonischer Aufstand” auf, welcher das römische Herr vernichtete. “Die Furcht vor diesem Krieg war so groß, dass sie sogar den standhaften und durch Erfahrungen aus so großen Kriegen gefestigten Mut Kaisers Augustus zum Wanken brachte und aufs tiefste erschreckte” ( Velleius Paterculus II 110, 6.). Das Markomannenreich blieb unangetastet und Marbods Prestige unter den germanischen Fürsten wurde gestärkt. Weitergehende Konsequenzen aus der Niederlagen wurden von den Römern nicht gezogen.

Zeitgleich dazu übernahm im Jahre 7 n. Chr. der bisherige syrische Stadthalter Varus ( mit Augustus verwandt) die Verwaltung des anscheinend unterworfenen germanischen Nordwestens1. Mit diesem Kommando war auch verbunden, der Oberbefehl über 60.000 Söldner. Varus hatte diesen Posten kostenlos angenommen, da er im Nahen Osten ( in der Provinz Syrien) zu großen Vermögen gekommen ist. Doch Quinctilius Julius Varus war kein Anfänger, er hatte hinsichtlich schwieriger Verwaltungsarbeiten zahlreichen Erfahrungen sammeln können. Zeitgenossen bezeichneten Varus als eine ruhige Erscheinung, mit ruhigen Charakter, wenig Regsamkeit und geringer Kriegstüchtigkeit.

In der neuen Provinz beschäftigte sich Varus nun damit, den “Wilden” die Segnungen der römischen Jurisprudenz zu vermitteln und den Germanen die Vorzüge der “Romanitas”, wie Steuern und Truppenaushebungen, teilhaftig werden zu lassen.

Römische Kriegszüge und germanische Aufstände in den Jahren 6 - 16 u.Z.

Mit dem Jahre “9” werden unweigerliche zwei Namen im deutschen Geschichtsunterricht in Verbindung gebracht. “Varus” und “Arminius”, oder auch “Herrmann der Cherusker”. Die Überlieferungen, die von einer römischen Niederlagen gegen die vereinten Stämme unter Arminius sich zur Wehr setzten und der Freitod des Varus, können belegt werden. Doch war es das auch schon. Zu viele Lücken es dabei, welche noch “ausgefüllt” werden müssen. Allein schon, der genaue Ort der “Varusschlacht”, konnte erst in den letzten Jahren genauer lokalisiert werden. Nicht ganz uninteressant wäre auch einmal in Erfahrung zu bringen, was den germanischen Fürstensohn dazu getrieben, solch einen Aufstand durchzuführen, obwohl es ihm im römischen Dienste doch an nichts mangelte. Ebenfalls unumstritten ist Arminius Beteiligung an der Niederwerfung des Pannonischen Aufstandes im Jahre 6 n. Chr., also noch völlig im römischen Geiste kämpfend. Doch in den Folgejahren muss sich vieles in seinem Leben geändert haben, wenn nicht sogar durch seine aktive Beteiligung an der Niederwerfung als Führer einer Hilfstruppe.

Zurückgesetzt wurde Arminius wahrscheinlich nicht, obwohl dies oftmals der Fall war bei Germanen im römischen Dienst. Aber Arminius genoss den hohen Stand eines römischen Ritters. Sein Wort galt mehr als das Wort eines “einfachen” römischen Bürgers. Die Wertung des Germanen gegenüber der “Ehre” muss mit großer Wahrscheinlich als Motor für die persönlichen Ambitionen des Arminius im Jahre 9 nach Christus angenommen werden. Arminius musste die alte und zerstrittene Welt seiner Sippe aus den Angeln zu heben versuchen, um die erhoffte Achtung sich anzueignen. König Marbod ist es in seinem Markomannenreich gelungen, dies galt es nun vielleicht nachzumachen. Ein weiterer Grund für die Rückkehr des Arminius in sein “Heimatland” kann der Tod seines Vaters Segimer ( etwa zwischen 7. bis 9. nach Chr.) gewesen sein. Außerdem hatte Arminius persönlich erleben können, wie die Römer mit Aufstandsbewegungen (Aufstand der Pannonier) umgehen. Arminius erkannte, dass ein offener Krieg gegen die Römer aussichtslos ist. Daher nutzte Arminius die Jahre vor der Erhebung zur gründlichen und äußerst geheimen Vorbereitung des Aufstandes. Wichtiger Bestandteil seiner Verschwörung waren die germanischen Hilfstruppen, deren Führer er für sich gewinnen konnte. Diese Absprachen mussten aber sehr geheim erfolgen, da sogar die römischen Quellen nach dem Jahre “9.” keine weiteren Namen nennen. Außerdem hätte ein Verrat zu einem sofortigen Ende des Erhebung geführt.

Stammtafel germanischer Adelsippen der Cherusker und Chatten

Arminius Schwiegervater, welcher Arminius sehr hasste, stand ebenfalls im römischen Dienst. Jener Segestes warf in Anwesenheit des Varus Arminius Verrat vor und dies geschah nur einige Tage vor dem großen Zug des Varus an die Weser ins Cheruskerland. Doch Varus vertraute dem römischen Ritter Arminius, der sogar die Ehre bei Varus genoss, mit ihm zusammen zu speisen. Hintergrund dieser innergermanischen Auseinandersetzung waren wieder einmal persönliche Streitigkeiten. Segestes Tochter Thusnelda wurde angeblich einst durch Arminius geraubt. Dennoch, alle Informationen über mögliche Aufstände in den Reihen der eigenen Hilfstruppe, hielten Varus nicht davon ab, in Frieden vertrauend die sichereren Plätze am Rhein gegen die vermeintlich befriedeten Gebiete der Cherusker an der Weser zu tauschen. Nahezu 30.000 Soldaten (3 Legionen), wobei die Hilfstruppen einen Großteil stellten, zogen im Spätsommer in das nördlich gelegene Wesergebiet.

Grund dafür war die Nachricht, dass ein namentlich nicht bekannter Stamm sich nicht weit entfernt nordwestlich vom Hauptquartier des Varus, das vermutlich noch im Stammesgebiet der Cherusker lag, gegen die römische Vorherrschaft erhoben hätte. Eigentlich sollte dieser feuchte und kühle Monat September militärische Operationen in größeren Rahmen nicht erlauben, aber jede Aufstandsbewegung gegen Rom sollte stets im Keim erstickt werden. In Rom schien dies nahezu unglaublich, denn den eingetroffenen Berichten zufolge, herrschte in Germanien angeblich tiefste Ruhe.

Ein germanischer Krieger nach einer Darstellung auf der Markussäule in Rom

Eine unmittelbare Überprüfung der Nachricht war römischerseits aber kaum möglich. Eine anschließende Überprüfung hätte in Anbetracht der langen Kommunikationswege und der schlechten Ortskenntnisse viel Zeit gekostet; Zeit, welche die “Aufständischen” hätten nutzen können. Die Soldaten der 17., der 18. und der 19. Legion und deren Hilfstruppen mit einer geschätzten Stärke von etwa 30.000 Mann erhielten den Befehl zum sofortigen Aufbruch. Germanische Offiziere, darunter auch Arminius, boten Varus ihre Hilfe an, da sie ausreichende Ortskenntnisse besaßen.

Die Marschgeschwindigkeit war äußerst gering, was auf den umfangreichen Tross und die schlechten Wegeigenschaften zurückzuführen ist. Außerdem wurde ihr Marsch von einem schweren Sturm und Regenguss begleitet. Die Kolonne zersprengte sich mehr und mehr. Der Erdboden wurde an den Wurzeln schlüpfrig, so dass sie bei fast jedem Schritt ausglitten. Die geschilderten Witterungsbedingungen sind auf Aussagen von römischen Berichtern zurückzuführen. Vielleicht liegt auch hierin eine Übertreibung, denn für die damalige Zeit war es normal, bei Siegen den Feind “stark” dazustellen und bei Niederlagen, andere “Gründe” aufzuführen, welche zur politischen oder militärischen Niederlagen führten. Trotz aller Vermutungen, kann man davon ausgehen, dass die Witterungsverhältnisse denkbar schlecht gewesen sein müssen. Das feucht- kalte Septemberwetter hat die mediterranen Römer sicherlich nicht besonders motiviert. Außerdem war zu keiner Zeit an eine gewohnte römische Kampfaufstellung zu denken, den sogenannten “Karrobalista”, “Kohorten” und “Nanipel”2.

Nach kurzer Zeit entfernte sich Arminius mit einem Teil der Hilfstruppen und den dazugehörigen Offizieren mit der Vorgabe, bundesgenössische Hilfe der verbündeten Cherusker zu organisieren. Varus ließ die Germanen gewähren und marschierte weiter mit den verbliebenen Legionen und Hilfstruppen.

Es folgte die Schlacht. In den darauffolgenden drei Tagen, wurde die römische Marschformation unentwegt angegriffen. Die Information des Angriffes des Arminius und seiner Cherusker verbreitete sich rasch im germanischen Land und zog noch mehr Marser, Brukterer, Cherusker u. a. Stämme an, reiche Beute sich zu erstreiten. Nach der Auswertung aller Informationen liegt die Vermutung nahe, dass der Kampf östlich vom heutigen Paderborn im Bereich der Passmöglichkeiten von Driburg, Horn und Detmold stattfand. Eine genauere Lokalisierung ist schwierig, da der mehrtätige Kampf an verschiedenen Plätzen sich ereignete. Am Ende des Kampfes lagen nahezu drei komplette römische Legionen getötet in germanischen Wäldern. Der Feldherr Varus, hatte sich in Anbetracht der aussichtslosen Lage in sein eigenes Schwert gestützt, um damit den ehrenvollen Freitod zu wählen. Der Römer Sueton berichtet dazu: “Schwere und schimpfliche Niederlagen hatte der Kaiser nur zwei und nur Germanien erlitten, unter Lollius und unter Varus ... Die unter Varus war nahezu vernichtend, da drei Legionen mitsamt ihrem Feldherren und den Legaten und sämtlichen Hilfstruppen fielen.”3

Vermutete Örtlichkeit der Schlacht im Teutoburger Wald

Die Römer reagierten auf die Niederlage mit verschiedenen Maßnahmen, darunter mit der Entsendung des Tiberius an den Rhein, der nun eine wieder aus acht Legionen bestehende Rheinarmee kommandierte. In den folgenden Jahren unternahm Tiberius in Begleitung seines Neffen Germanicus, den er auf Befehl des Augustus adoptiert hatte, erste Strafexpeditionen gegen Brukterer und Marser, wobei er selbst in Lebensgefahr geriet. Während dieses Kommandos diente sogar der Arminius- Bruder Flavius, welche bei diesen Auseinandersetzungen eine Auge verlor.

Nach dem Tod Augustus erhielt Germanicus ein selbständiges Kommando über die Rheinarmee, da Tiberius in Folge des Herrschaftswechsels auftretenden Meutereien entgegentreten musste. Im Jahre 15 n. Chr. kam es wieder zu inneren Streitigkeiten in der Verwandtschaft um Arminius, welche damit endeten, dass Arminius Schwiegervater Segestes sowie seine Tochter (Arminius Frau) und deren Sohn zu den Römern gingen. Der Sohn, Thumelicus, welche in Ravenna erzogen wurde, wurde nicht alt und sah auch niemals seinen Vater oder die Heimat. Germanicus erkannte nach zahlreichen militärischen Expeditionen ins Land der Cherusker und der anderen germanischen Stämme, dass eine Durchquerung des Cheruskerlandes zuviel Substanz kostete, um anschließend noch militärisch durchschlagende Erfolge zu erzielen. Daher unternahm er im Jahre 16. n. Chr. einen Heerestransport von allen acht Legionen und des gesamten Kriegsmaterials von der See her vornehmlich auf der Weser mitten in das Cheruskerland. In zahlreichen Gefechten, im Rücken der Cherusker und der anderen Stämme am “Angrivarierwall” (südwestlich von Nienburg) und bei “Idistaviso” ( südlich von Nienburg), kam es weder zur Befriedung bis zur Elbe noch zur Einrichtung einer römischen Provinz. Abermals musste Germanicus den Rückzug an den Rhein antreten.

Weitere Kosten an Menschenleben und Material scheuend, berief Kaiser Tiberius seinen Neffen und Adoptivsohn ab und bewilligte ihm einen Triumph über die Cherusker und deren Bundesgenossen, den Germanicus am 25. Mai 17 n. Chr. In Rom abhielt.

Arminius hingegen, welche zwar in einigen Schlachten verletzt wurde und viele gefallene Krieger zu beklagen hatten, stieg in einen Reihen zu hohem Ansehen auf. Im Jahre 17. n. Chr. unternahm er sogar einen Großangriff auf den Markomannenkönig Marbod in Böhmen. Der geschlagene Marbod musste sogar bei seinen ehemaligen Feinden, den Römern, nach Zuflucht bitten. Trotz der vielen persönlichen Verluste ( Frau und Kind) genoss nun Arminius großen Ansehen in seinem Stamm. Obwohl es Arminius hautsächlich darum ging, persönliches Ansehen in seinem Stamm anzuhäufen und nicht die germanische Welt zu einigen, ist ihm großes gelungen. Nicht umsonst, ist er in vielen Lieder der darauffolgenden Generationen besungen worden. Zwar konnte “Germanien” nicht von den Römern befreit werden, dafür wurden sie aber auf linksrheinisches Gebiet verdrängt. Den vereinigten Germanen war es gelungen einen “status quo ante” gegenüber den Römern durchzusetzen und was ebenfalls erwähnenswert ist, großes Ansehen in die Reihen der Römer zu pflanzen. Die Germanen waren nicht mehr die “Wilden”, sie waren zwar verstritten aber dafür kluge Taktiker in der Politik und lernfähige Krieger in Anbetracht der Gefährdung ihrer Freiheit.

Der berühmte Autor Tacitus schreibt über Arminius folgendes: “ [ dieser Cheruskerfürst]... hat das römische Volk nicht wie andere Könige und Heerführer in seinen schwachen Ursprüngen herausgefordert, sondern als das Reich den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte. In Schlachten war er nicht immer erfolgreich, im Kriege blieb er unbesiegt”4.

Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald

Dazu:

[...]

“Hier schlug ihn (Varus) der Cheruskerfürst,

Der Hermann, der edle Recke;

Die deutsche Nationalität,

Die siegte in diesem Drecke,

Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,

Mit seinen blonden Horden,

So gäbe es deutsche Freiheit nicht mehr,

Wir wären römisch geworden!...

Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht,

Die Römer wurden vertrieben,

Varus mit seinen Legionen erlag,

Und wir sind Deutsche geblieben!...”

[...]


Auszug aus Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintzermärchen, Caput XI.

Quelle: Aus Germanischer Urzeit, Hermann Schaffstein Verlag, Erstes der Grünen Bändchen, Jadu 2000.

  1. “Stadthalter” : Sie standen, an der Spitze der Provinz des Römischen Reiches und wurden vom Kaiser eingesetzt. Ihnen oblag vor allem die Rechtssprechung; sie hatten für die Durchsetzung der Forderungen des Reiches zu sorgen. Unter ihrem Befehl standen die in den Provinzen anwesenden römischen Soldaten.
  2. “Karrobalista”: kleine Kampfstreitwagen ( ein Pferd und meist zwei Krieger); “Kohorten”: rechteckige Marschformation von bis zu 500 Kriegern; “ Manipel”: “Zentrum” einer Armee- recheckige Marschformation von 60 bis zu 120 Kriegern.
  3. Illustrierte Historische Hefte: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Berlin 1986, S: 34.
  4. Tacitus: Germania 37,3.